Rückblicke

Wie die Medien sich neu erfinden

Aus der Reihe „Digitaler Wandel: Wie wir leben wollen“

v.l.n.r.: Prof. Ulrich Limmer, Uli Köppen, Dr. Hans-Jürgen Krug, Dirk von Gehlen, Horst Konietzny/Bild: BayernForum


München, 8. März 2016.
Über digitale Umbrüche in der Medienlandschaft und Konsequenzen für Produzent_innen und Konsument_innen diskutierten fünf Kenner der Medienbranche:

Dirk von Gehlen, Journalist und Autor, Leiter Social Media/Innovation bei der Süddeutschen Zeitung;

Uli Köppen, Leiterin von BR Data;

Dr. Hans-Jürgen Krug, freier Medienwissenschaftler aus Hamburg, Autor des Buches Rapider Wandel: Über Medien und Massenmedien, 2015;

Prof. Ulrich Limmer, collina filmproduktion gmbh, seit 2013 Geschäftsführender Professor der Abteilung Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF).

Die Moderation übernahm Horst Konietzny, Autor, Regisseur und Dozent für neue Medien.

Eine Einführung gaben Dr. Hans-Jürgen Krug und Dirk von Gehlen mit kurzen Vorträgen über mediale Entwicklungen in Zeiten fortschreitender Multimedialität und Digitalisierung. Wie jedoch sind diese Veränderungen zu bewerten? Darüber diskutierten die Teilnehmer_innen in einer offenen Runde. Ein maßgeblicher Wandel zeige sich in der Fülle an verfügbaren Informationen, die heute für jeden jederzeit auf unterschiedlichsten Kanälen abrufbar sind. Was bedeutet dies für die Qualität der Information? Horst Konietzny und Dr. Hans-Jürgen Krug stellten die These einer allgemeinen Abnahme des Informationsgehalts in den Raum. Eine Gegendarstellung lieferte Uli Köppen, die als Leiterin von BR Data mit neuesten Methoden aufwendige Recherchen durchführt.

Dirk von Gehlen stellte fest, aufgrund der Informationsfülle herrsche innerhalb der Medien ein Kampf um die begrenzte Aufmerksamkeit des Users. Deshalb gewinne das Filtern von Neuigkeiten immer mehr an Bedeutung, um den Menschen Informationen anzubieten, die auf sie zugeschnitten sind. Gehlen spricht hier vom „Ende des Durchschnitts“. Die Erhebung von Nutzerdaten werde damit immer wichtiger, um das Angebot von Neuigkeiten passgenau zuschneiden zu können. Eine Stimme aus dem Publikum stellte die Frage, wie bei einer individuellen Versorgung jedes Einzelnen mit ausgewählten Informationen denn noch gesellschaftlicher Diskurs und Konsens möglich sei. Prof. Ulrich Limmer stellte demgegenüber einige positive Aspekte heraus: Usern öffneten sich neue Kanäle, um alte Angebote zu bewerten und über neue Angebote mitzuentscheiden. Gleichzeitig finde auch für Produzenten eine „Demokratisierung kreativer Möglichkeiten“ statt.

Was jedoch passiert mit den Daten, die von Usern erhoben werden? Und wie können wir Erhebung und Verwendung kontrollieren? Dirk von Gehlen stellte fest: „Die Frage ist gar nicht: Werden Daten erhoben? Sondern: Was machen die damit?“ Wichtig sei also zu erkennen, dass Digitalisierung schon stattfinde und dass deshalb unter den Konsument_innen wie in der Politik neue Debatten geführt und neue Entscheidungen getroffen werden müssten.

Text: Lea Gelfert

Zurück