Rückblicke

Schule und die Frage der Inklusion in Bayern

Dreiteilige Veranstaltungsreihe anlässlich der Studienvorstellung des BayernForums

v.l.n.r.: Susanne Miesera, Clemens Dannenbeck, Isabell Zacharias, Robert Hümmer/Bild: BayernForum

 

München, 25. Februar 2016. Im Jahr 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK). Den Prozess ihrer Anwendung begleitete das BayernForum seither mit Veranstaltungen zum Thema und aktuell mit seiner zweiten Expertise: Das Policy Paper ‚Schule und die Frage der Inklusion in Bayern‘ wurde am 26.11.2016 erstmals vorgestellt und in drei Folgeveranstaltungen mit Blick auf spezifische Schwerpunkte diskutiert. Gestern fand in den Räumen der IHK Akademie München die vorerst letzte Veranstaltung der Reihe statt, das Schwerpunktthema: Inklusion in der beruflichen und akademischen Bildung.

Mit:
Prof. Dr. Clemens Dannenbeck, Universität Landshut und Autor des Policy Papers
Isabell Zacharias, bildungs- und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion
Susanne Miesera, Dozentin für Lehrerbildung an der TUM School of Education, München

Moderation:
Robert Hümmer, Referent am BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ergebnisse:
Trotz Ratifizierung der UN-Konvention hat Bayern an seinem mehrgliedrigen Schulsystem festgehalten. Kennzeichen des Bildungssystems bestehen auch in vielfältigen Exklusionsrisiken, besonders an den Übergängen von einer Lebensphase in die nächste. Wer in den inklusiven Kindergarten gehen darf, bekommt weiterhin keine Garantie dafür, künftig mit potenziell allen Gleichaltrigen beschult zu werden. Besonders beim Übergang von der Förderschule in das Arbeitsleben sind die künftigen Azubis praktisch auch auf persönliche Beziehungen zwischen Schulen, Beratungsstellen und Betrieben angewiesen. Susanne Miesera forderte deswegen, die beteiligten Akteure künftig noch besser zu vernetzen. Auf berufsschulischer Ebene gelte es, künftige Lehrkräfte frühzeitig und selbstverständlich mit Vielfalt zu konfrontieren und sie zugleich professionell handlungsfähig zu machen.

Mit Blick auf akademische Bildung war es Isabell Zacharias ein Anliegen, Hochschulen und Universitäten noch konsequenter zu öffnen. Der Abbau physischer Barrieren gehöre dazu, von Aufzügen bis hin zu Induktionsschleifen für Menschen mit Hörbeeinträchtigung bestehe noch großer Nachholbedarf, aber auch Beratungsstellen und Gleichstellungs- wie Behindertenbeauftragte sollten künftig sowohl prominenter als auch zahlenmäßig besser repräsentiert sein. Ein inklusives Bildungssystem, das der UN-BRK gerecht würde, brauche all diese Maßnahmen allerdings nicht.

Die theoretische Einordnung lieferte indes Clemens Dannenbeck. Inklusion bedeute im Kern eben nicht Integration von Menschen, denen zuvor schon ihr Anderssein attestiert worden ist. Besonders gravierend sei der Umstand, dass in Bayern die Gesamtzahl an Schüler_innen kontinuierlich abnehme und die Zahl der Schüler_innen in Fördereinrichtungen dabei erstaunlich stabil bleibe. Inklusion heiße, Teilhabe aller zu ermöglichen und Diskriminierung zu verhindern. Folglich hätten in Zeiten von Inklusion weder Förderschulen noch Regelschule eine Zukunft in ihrer aktuellen Form: Gemeinsames Lernen für alle unter individuellen Maßgaben sei angezeigt.

Aktuell wenden sich mehr und mehr Unternehmen dem Thema zu, auch Universitäten und Hochschulen öffnen sich allmählich. Der demographische Wandel begünstigt die Entwicklung, und Sanktionen für Betriebe, die sich ihr entziehen, zeigen ansatzweise Wirkung. Um Inklusion im Sinn der UN-BRK aber anzuwenden, wird es auch den politischen Willen und gesellschaftliche Initiative brauchen.

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